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Wichtig: Kohleatlas der Heinrich-Böll-Stiftung

Wichtig: Kohleatlas der Heinrich-Böll-Stiftung

Mit dem fünfzigseitigen Kohleatlas, der am 2. Juni digital veröffentlich worden ist, legt die Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine sehr wichtige und umfassende Publikation vor, die sich wie im Titel angekündigt mit dem weltweiten Klimakiller Nummer eins beschäftigt und als PDF oder in den Formaten mobi oder epub kostenfrei von der Homepage der Stiftung heruntergeladen werden kann. Dort findet sich auch eine Zusammenfassung des Atlas, für die, die weniger Zeit haben.

Zwei-Grad-Klimaziel

Die Fakten, die der Kohleatlas liefert, muten gerade jetzt, vor der heutigen Einigung der G7-Staaten beim umstrittenen Gipfel auf Schloß Elmau auf das Zwei-Grad-Klimaziel, bizarr an: Einem Klimaziel, von dem man weiss, dass es unter den gegeben politischen Umständen nicht mehr machbar ist – denn man müsste bis 2050 95% der Emissionen einsparen. Kohlenstoffdioxid-Emissionen, die zu 43% weltweit (15,5 Milliarden Tonnen) durch den Abbau und die Verbrennung von Kohle verursacht werden.

Doch der Kolhleatlas liefert noch mehr statistische Fakten: etwa, dass 35 der weltweit größten Koheproduzenten in der Zeit von 1988 bis 2013 für ein Drittel der globalen Emissionen verantwortlich waren. Und um noch einmal auf das Zwei-Grad-Klimaziel zu kommen: Von den geschätzten 968 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) müssten 88%, also 887 Gigatonnen in der Erde bleiben, damit dieses Ziel erreicht wird. “Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Kohle müsste von derzeit 1,07 Tonnen auf nur noch 80 Kilogramm im Jahr 2050 sinken.”

Wie realistisch das erscheint, zeigen die Namen der Länder mit den größten Rohstoffvorkommen: USA (245), die Staaten der Ex-UdSSR (209) und China & Indien (207). Also alles Länder, die nicht übermäßig durch ihr umweltpolitisches Engagement auffallen bzw. Länder, die, außer den USA, mitten in ihrem wirtschaftlichen und energiehungrigen Aufschwung oder auf dem Weg dahin sind.

Die Zeit wird zeigen, ob das heute von den G7-Staaten beschlossene Erreichen des Zwei-Grad-Klimaziels etwas wert oder ob es eine weitere politische Hinhaltetaktik ist. Vermuten lässt sich allerdings, dass solange die PolitikerInnen dieser Länder nur der verlängerte Arm der Privatwirtschaft sind denen Profit und Dividende wichtiger als die Erhaltung unseres Lebensraums ist, solche Abkommen nicht den Rohstoff wert sind, auf dem sie unterzeichnet werden. Gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen klimapolitischen Ereignisse – und natürlich in Hinblick auf die Weltklimakonferenz in Paris – spiegelt sich die Aktualität des Kohleatlas.

Deutschland größter Förderer von Braunkohle

Natürlich werden auch spezifisch deutsche Daten vermittelt: Deutschland ist mit 183 Millionen Tonnen weltgrößter Förderer von Braunkohle. Die Fläche der Tagebauen nimmt 175.000 Hektar ein, was gut 246.000 Fußballfeldern entspricht. In den letzten 90 Jahren sind 230 Siedlungen mit 110.000 Menschen für den Braunkohleabbau umgesiedelt worden. Der Kohleatlas liefert aber auch Zahlen über die Folgen für die Gesundheit: Demnach verursachen die Emissionen aus Braun- und Steinkohlekraftwerken innerhalb der EU etwa 16 bis 43 Millarden Euro Gesundheitsfolgekosten. Weltweit sterben demnach mehrere hunderttausend Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung durch Kohle. “Würden die Umweltkosten in den Strompreis hineingerechnet, müsste dieser laut Umweltbundesamt für Braunkohle um rund elf Eurocent pro Kilowattstunde und für Steinkohle um rund neun Eurocent pro Kilowattstunde ansteigen.”

Gesundheit, Menschenrechte & Lobbyismus

Der Kohleatlas ist jedoch viel umfassender: Neben den klimarelevanten Fakten über verursachte Treibhausgase und schädliche Einflüsse auf unser Ökosystem werden viele weitere Bereiche berücksichtigt. Wie schon angeklungen wird auch auf Gesundheitschädigungen und die Gesundheitsfolgekosten durch Kohle eingegangen. Aber auch verdeckte Subventionierungen, Lobbyismus der Kohlekonzerne, Finanzierung und Rentabilität, die zum Teil menschenrechtsverletztenden Arbeitsbedingungen bei der Kohleförderung und die Folgen von Energiearmut für eine Volkswirtschaft und vieles mehr werden hier durch statistische Daten und eindrückliche Grafiken veranschaulicht.

 Empfehlenswerte Datensammlung

Der Kohleatlas “erscheint zu einer Zeit, in der gerade in Deutschland eine intensive Diskussion um die Zukunft des Energiesektors in Gange ist. Tatsächlich geht es um den schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Der Kohleatlas zeigt in verständlichen Texten mit anschaulichen Grafiken: Das ist technisch möglich und nötig.

Einen Blick in den Kohleatlas lohnt in jedem Fall und jeder, der sich für Umweltschutz und Natur interessiert, sollte ihn studieren. Vielen Dank der Heirich-Böll-Stiftung und dem BUND für diese wichtige statistische Datensammlung. Übrigens gibt es in gleicher Ausführung und auch als kostenfreie Downloads den Bodenatlas (2015), drei verschiedene Ausgaben des Fleischatlas (2013/14) und Fleischatlas extra: Abfall und Verschwendung. sowie  den Europa-Atlas (2014). Alles sehr zu empfehlende Lektüren.

Download KOHLEATLAS, Factsheet & Link zu Online-Dossier

Alex Fuchs
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