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Vegane Liebe: Marina & Isabell von ve-love im Interview

Ve-Love - Marina & Isabell| Fotos: Nana Klein, www.nanaklein.de

Interview mit Marina und Isabell von ve-love

Euer Blog heisst „ve-lové: Projekt nachhaltig leben“ – wie kam es dazu und warum interessiert Euch Nachhaltigkeit so sehr?

Marina: Wir nennen es Projekt, weil es eines ist. Wir sind ja nicht perfekt, machen Fehler und lernen stetig dazu. Daher ist es uns wichtig, den Projektcharakter des Ganzen zu betonen. Ve Lové, das ist unsere Art zu sagen: wir lieben… und das ist eine ganze Menge: wir lieben das Leben, gute Gespräche, gute Ideen, gutes Essen, gute Produkte und die Idee, im Kleinen etwas verändern zu können.

Isabell: Marina und ich hatten beide letztes Jahr das Bedürfnis, über den Job hinaus ein paar Dinge zu thematisieren, die uns persönlich betreffen. Dinge, die wir lieben, die uns am Herzen liegen, mit denen wir uns im Privaten beschäftigen, die uns zu denken geben. Deshalb auch der Name “ve-lové”. Ein Projekt ist es, das hat Marina ja schon beschrieben, weil wir uns nicht als allwissend, sondern im stetigen Lernprozess sehen. Wir lernen selber jeden Tag dazu und sind deshalb weit entfernt davon, alles perfekt zu machen. Fehler machen gehört quasi dazu. Aber wir versuchen jeden Tag mit unseren kleinen Ansätzen, ein paar Fehler weniger zu machen. Und vielleicht inspirieren unsere Ansätze ja auch Andere.

Der Begriff wird ja mittlerweile für alles und nichts verwendet. Was bedeutet Nachhaltigkeit denn genau für Euch?

Marina: Für mich bedeutet das, nicht mehr einfach drauf los zu kaufen. Einfach nur, weil es Spaß macht, irgendwie befriedigt oder ich etwas schön finde und es dann besitzen muss. Ich kaufe mir nur noch Dinge, die ich wirklich brauche oder die sinnvoll sind. Da achte ich darauf, dass die Dinge vegan sind, wo sie hergestellt werden, von wem unter welchen Bedingungen, aus welchem Material. Ich zahle mittlerweile lieber etwas mehr, habe dafür aber auch etwas, das mich lange begleitet. Oder ich kaufe es gebraucht oder tausche es, leihe es mir aus. Ich versuche, Plastik in meinem Alltag zu vermeiden – zugegeben, das ist sehr schwer. Aber ich finde, auch kleine Dinge können etwas verändern und groß werden. Neulich beim Griechen: ich habe immer meine eigenen Dosen dabei, in die mein Hummus oder Krautsalat abgefüllt wird. Da hat mich eine Frau angeschaut und meinte, das wäre eine geniale Idee. Ich bin mir sicher, sie macht das jetzt auch.

Isabell: Dass der Begriff Nachhaltigkeit zur Zeit ein Modewort ist, ist sein Vorteil und gleichzeitig sein Nachteil. Er ist in aller Munde und alle reden darüber. Dadurch sind die Ohren offen. Andererseits wird er vielleicht auch hier und da inflationär gebraucht und Viele sind genervt davon, überall über Nachhaltigkeit zu stolpern, oder sie fühlen sich ständig belehrt und kritisiert. Für mich ist Nachhaltigkeit eine Lebenseinstellung. Ich versuche, mich im Alltag bewusst zu verhalten. Das fängt damit an, dass es selbstverständlich geworden ist, nicht mehr ohne meinen alten Stoffbeutel einkaufen zu gehen, und dass ich meine Lebensmittel regional und saisonal einkaufe. Wenn eine Ananas eine weite Flugreise hinter sich hat, dann bleibt sie halt im Regal liegen. Es bedeutet aber auch, mein Konsumverhalten im Allgemeinen zu überdenken und mich zu fragen: “Brauche ich das wirklich? Und wenn ja: kann es auch gebraucht bekommen?”.

Seit wann betreibt Ihr Euren Blog?

Marina: Wir haben im April 2014 angefangen, haben also jetzt unseren ersten Geburtstag gefeiert.

Habt Ihr Erkenntnisse darüber, welche und wie viele Leute Euren Blog lesen bzw. welche Zielgruppe wollt Ihr erreichen? Soweit ich sehe, besprecht Ihr in erster Linie Mädels-Themen oder?

Marina: Wenn wir regelmäßig die Statistiken checken würden, wüssten wir sicherlich, wie viele Leute unseren Blog schauen. Wir möchten auch keine bestimmte Zielgruppe ansprechen, da das Thema nachhaltiger Leben eigentlich alle angehen sollte, ob jung oder alt oder Männlein oder Weiblein. Dadurch, dass Isabell und ich Mädels sind, behandeln wir sicherlich auch recht viele Mädelsthemen, gerade wenn es um Kosmetik oder Kleidung geht. Da sollten wir in Zukunft sicherlich drauf achten, dass da auch die Männer nicht zu kurz kommen. Aber das ist so nicht als reiner Mädelsblog geplant, wir haben ja zum Beispiel dieses Frühjahr auch mit dem Fintess-Guru Karl Ess gedreht, letztes Jahr mit Katrin und Daniel von Bevegt oder treffen auch auf Patrick Baboumian oder Marc Pierschel. Aber wenn es bei Dir so ankommt, dass wir in erster Linie Mädels-Themen besprechen, müssen wir bald mal mehr für die Jungs machen. Was würdest Du denn gerne sehen?

Isabell: Wir befassen uns vor allem mit Themen, die uns selber interessieren. Nämlich genau aus dem Grund – wie oben schon angesprochen – weil es sich um ein Projekt handelt, mit dem wir nicht belehren wollen. Wir widmen uns Themen, die uns selber interessieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass das überwiegend Mädels-Themen sind, schließlich sind wir selber welche. Aber anders herum sind für uns Jungs-Themen nicht automatisch uninteressant. Eine konkrete Absicht, ob wir Männer oder Frauen ansprechen wollen, haben wir nicht. Wir wollen jeden ansprechen – und natürlich so viele Menschen wie möglich! 🙂

Wie habt Ihr Euch gefunden?

Marina: Über den Beruf, wir haben beide als Redakteurinnen für eine Fernsehproduktionsfirma gearbeitet und kennen uns daher schon gut siebeneinhalb Jahre.

Isabell: Wir sind also Weggefährtinnen aus dem Job und haben irgendwann festgestellt, dass auch unsere privaten Interessen eine große Schnittmenge haben. Es lag deshalb für uns als TV-Redakteurinnen nah, das Medium Video für unsere Idee zu nutzen.

Was erhofft Ihr Euch davon bzw. was waren Eure Beweggründe den Blog ins Leben zu rufen?

Marina: Im herkömmlichen Fernsehprogramm bekommen wir „nachhaltige“ Themen oft nicht unter, da haben wir uns gedacht, dann machen wir das halt eben selber.

Isabell: Damit ist eigentlich alles gesagt.

Eure Kategorien sind u.a. „Travel, Lifestyle, Fashion und Beauty“. Glaubt Ihr das Konsum und Nachhaltigkeit vereinbar sind?

Marina: Ich würde nicht grundsätzlich sagen, dass das überhaupt nicht vereinbar ist. Jeder Mensch konsumiert, aber es kommt ja auf die Mengen und die Qualität an. Und ob ich etwas kaufe, weil ich es wirklich brauche oder nur aus einer Kauflaune heraus. Letzteres habe ich mir schon sehr gut abgewöhnt. Vielleicht bin ich irgendwann ein richtiger Minimalist, das ist die Richtung, in die ich langfristig gehen möchte. Ich finde Christof Herrmann vom Blog „Einfach Bewusst“ sehr inspirierend. Mein Auto habe ich schon lange verkauft. Mein Mann und ich gönnen uns jedoch ein Mal im Jahr eine Flugreise, ansonsten bleiben wir im eigenen Land oder dort, wo wir ohne Flieger hinkommen. Vielleicht werden wir auch irgendwann ganz aufs Fliegen verzichten. Da sind wir noch nicht so weit wie andere. Ich denke aber, dass auf dieser Erde schon sehr viel erreicht würde, wenn mit Köpfchen konsumiert wird. Das heißt auch, wieder auf Qualität Wert legen und schauen, wo das Produkt herkommt und wie es hergestellt wurde. Das ist mir wichtig.

Isabell: Und wenn man einen genaueren Blick in unsere Rubriken wirft, dann wird man ja auch feststellen, dass wir z.B. in der Rubrik “Lifestyle” keine Tipps geben, welche Konsumgüter unbedingt erworben werden müssen, sondern wie man Dingen, die ohnehin jeder zu Hause hat, ein zweites Leben einhauchen kann, anstatt sie wegzuwerfen oder gar nicht mehr zu nutzen.

Ihr besprecht auch viele DIY- und Upcycling-Themen? Bastelt Ihr so gerne? Woher nehmt Ihr Eure Inspirationen?

Isabell: Ich bin tatsächlich eine Basteltante geworden und probiere gerne Dinge aus. Da ich in meinem Job zufällig zur Zeit sehr viele DIY- und Upcycling-Themen auf dem Tisch habe, bin ich auch privat auf den Geschmack gekommen. Allerdings bewundere ich Menschen, die mit ihren Händen und ihren Ideen aus jedem Ding etwas tolles Neues zaubern können. Das gelingt mir (noch) nicht so gut. Aber ich bleibe dran. Durch den Job habe ich mit vielen wahnsinnig einfallsreichen und kreativen Menschen zu tun, daher kommen dann in der Regel auch meine Ideen. Und als Redakteurin funktioniert es ja genauso: Man läuft einfach mit offenen Augen und Ohren durch die Gegend und überlegt bei allem “Ist das ein Thema? Oder wie wird eins draus?”. So ähnlich ist das auch bei den Bastelideen.

Wie sucht Ihr Eure Themen aus bzw. wie findet Ihr die?

Marina: Das sind eigentlich Themen aus unserem Alltag. Ein tolles Rezept, das wir gerne teilen möchten. Menschen, die uns begegnen und deren Ideen wir vorstellen möchten. In Berlin ist ja immer was los. Und oft sind es die Fragen, die uns im Alltag begegnen, die wir dann klären möchten – zum Beispiel beim Thema Kleidung wollte ich unbedingt mit den Damen von GOTS und Naturtextil auf der letzten Fashion Week reden, um selber mehr über diese Siegel zu erfahren.

Isabell: Ich würde sagen: die Themen begegnen uns. Wir haben Augen und Ohren schon jobbedingt immer auf Empfangen eingestellt. Und wenn uns etwas interessiert, dann schauen wir genauer hin und überlegen, ob wir es für den Blog im Video umsetzen können.

Seht Ihr Euch selbst als Nachhaltigkeitsmissionarinnen?

Marina: Nein, dafür machen wir selber zu vieles falsch. Wir versuchen nur, unseren Alltag nachhaltiger zu gestalten. Mein Ziel ist es natürlich, irgendwann so nachhaltig zu leben, wie man das in unserer heutigen Gesellschaft nur kann. Aber bis dahin ist es, befürchte ich, noch ein weiter Weg. Aber wir möchten gerne Tipps geben, die vielleicht der eine oder andere als sinnvoll empfindet und in seinen Alltag integriert.

Isabell: Da schließe ich mich Marina voll und ganz an. Wir wollen niemanden missionieren! Das können wir auch gar nicht, weil wir dafür selber viel zu viele Fehler machen. Wir wollen inspirieren und Ideen liefern.

Wenn Ihr die Macht hättet alles zu verändern, was würdet Ihr als Erstes ändern?

Marina: Puh… Mitgefühl wieder in jedem Menschen erwecken? Wenn wir jeden Mitmenschen, jedes Geschöpf und unsere Umwelt wieder richtig wahrnehmen und respektieren und nicht so egoistisch leben würden, dann würden sich bestimmt ganz viele Probleme von alleine lösen.

Isabell: Ich würde mir wünschen, dass die Menschen bewusster miteinander und mit ihrer Umwelt im Allgemeinen umgehen. Einerseits im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Andererseits aber auch im Zwischenmenschlichen. Weniger Ellenbogen-Gehabe, dafür mehr Miteinander und Füreinander.

Auf was in Eurem Alltag könntet Ihr von heute auf morgen verzichten?

Marina: Den Wandel habe ich ja schon hinter mir, ich habe von heute auf morgen auf tierische Lebensmittel verzichtet. Ich könnte auch sehr gut darauf verzichten, diesen Druck zu haben, Geld verdienen zu müssen und einfach nur arbeiten, weil es mich produktiv und kreativ erfüllt. Auch eines meiner Ziele.

Isabell: Verzicht ist irgendwie so ein negativ besetztes Wort. Mit dem Beigeschmack des Entbehrens und des sich selber Versagens. Wenn man es nicht mit dieser Konnotation betrachtet, dann fällt Verzicht ja eigentlich gar nicht so schwer. Ich kann gut auf mein Auto verzichten, das ich vor einem guten Jahr abgegeben habe. Klar würde ich auch gerne mal einen Ausflug in die Berliner Umgebung machen, die nicht mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Aber das tägliche im-Stau-stehen vermisse ich nicht. Und ich kann auch gut darauf verzichten, das Gefühl zu haben, jedem Tag fehlen ein paar Stunden, um all das zu schaffen, was ich mir vorgenommen hatte.

Ihr arbeitet sehr stark mit Videos. War das von Anfang an Konzept oder wie ist es dazu gekommen?

Marina: Das ist unser Beruf. Wir sind beide Fernsehredakteurinnen, da liegt das Medium nah. Wir können nicht anders!

Dreht Ihr die Videos selbst oder habt Ihr ein Team, dass Euch hilft?

Marina: Wir drehen selber. Manchmal springt aber auch mein Mann ein oder jetzt hat auch meine Mama mal gedreht. Aber wir haben, im Gegensatz zu sonst, wenn wir fürs Fernsehen drehen, kein richtiges Fernsehteam dabei, sondern machen alles selber.

Isabell: Und obwohl wir für das Medium Fernsehen arbeiten, ist es für uns eine völlig neue Erfahrung, alles selber zu machen. Im Job haben wir immer Profis dabei, die für uns die schönen Bilder machen und diese anschließend zu einem tollen Film zusammenschneiden. Jetzt machen wir es selber.

Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?

Marina: Gesund bleiben, dass die wertvollsten Menschen in meinem Leben mich sehr lange auf meinem Weg begleiten, ich nie aufhöre zu lernen und ich möchte schon gerne irgendwann Reportagen oder Dokumentationen drehen, die Menschen zu einem Umdenken bewegen. Mit dem einen oder anderen Fernsehbeitrag ist mir das vielleicht schon gelungen, aber mal so einen richtigen Film machen – das wünsche ich mir. Vielleicht gibt unser Blog uns auch irgendwann die Möglichkeit dazu. Wer weiß, wohin sich das alles entwickelt?

Isabell: Ich wünsche mir, dass meine Tochter gesund und glücklich aufwächst und sie eine selbstbewusste, gefestigte Frau wird, die ihren eigenen Weg gehen kann. Beruflich wünsche ich mir, dass ich mich in Zukunft wirklich den Inhalten widmen kann, die mir wichtig sind, und nicht zu viele Gedanken dem “Wie geht es weiter” und “wovon lebe ich morgen” widmen muss.

Für unseren Blog wünsche ich uns weiterhin interessante Gesprächspartner, spannende Themen und viele Inspirationen, so dass sich viele Menschen für das interessieren, was wir da wöchentlich posten!

Denkt Ihr über Vermarktungsstrategien für „ve-lové“ nach? Zum Beispiel die Herausgabe eines veganen Kochbuchs o.ä.?

Marina: Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Du, Isabell?

Isabell: Ich würde mir wünschen, der Alltag würde mehr Zeit lassen, über diese Dinge nachzudenken. Aber Job und Familie brauchen zur Zeit (noch) so viel Aufmerksamkeit, dass für große Vermarktungsstrategien kein Platz bleibt. Aber wer weiß: vielleicht ist das in der Zukunft möglich.

Mit welchen Themen können wir in nächster Zeit bei „ve-lové“ rechnen?

Marina: Eigentlich mit dem, was wir bisher auch machen. Leckere Rezepte, Buchvorstellungen, Hotelvorstellungen, Interviews, diy-Ideen. Was auch immer uns über den Weg läuft und zu uns passt. Ach ja, mehr Männerthemen!

Liebe Marina, liebe Isabell, vielen 1000 Dank für Eure Zeit und für das Gespräch. Ich wünsche Euch alles Gute für die Zukunft.

Marina: Vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns sehr über Dein Interesse!

zum ve-love-Blog: http://ve-love.de/

Alex Fuchs
ADMINISTRATOR
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