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“STOP STYLING” – Ein Film über den Formgestalter Karl Clauss Dietel

STOP STYLING ein Film über Karl Clauss Dietel | CROWDFUNDING VIDEO

Nachhaltiges Produktdesign in der DDR

Viele Menschen – vor allem die aus der vormaligen DDR, kennen Teile seines Werkes, ohne es zu wissen: ob Reiseschreibmaschine “Erika”, die durch Neckermann auch im Westen unter anderem Namen verkauft wurde, den Simson Roller oder den Wartburg 353. Karl Clauss Dietel ist einer jener stillen Berühmtheiten, die Alltagsrealität mitgestaltet haben, ohne jemals wirklich im Rampenlicht gestanden zu haben.

“STOP STYLING” ist nun der Titel eines 15 minütigen Portraitfilms über den wohl einflussreichsten Formgestalter der DDR. Regisseur Gregor Hutz, Absolvent der Deutschen Film- & Fernsehakademie in Berlin (dffb), nimmt den diesjährigen 80. Geburtstag des in Chemnitz lebenden Formgestalters zum Anlaß, das filmische Portrait umzusetzen. Die Finanzierung des Projekts soll über eine Crowdfunding-Kampagne realisiert werden. Der Film soll nach Fertigstellung frei verfügbar – quasi als Public Domain – online gehen. Dietel hat schon 1981 mit seinen “Fünf L”, eine Theorie zu einer nachhaltigen Formgestaltung formuliert.

Interview mit Regisseur Gregor Hutz

Gregor, wer ist Karl Clauss Dietel?

Dietel ist einer der bedeutendsten Produktdesigner der ehemaligen DDR. Er hat nach dem Krieg an der Hochschule für Gestaltung Weißensee studiert und hat dort von Dozenten gelernt, die 25 Jahre vorher die Moderne mitgeprägt haben. Dietel ist wie Dieter Rahms aus der “2. Generation Bauhaus”. Rahms wurde im Westen mit seinen funktionalen Entwürfen für Braun weltberühmt und Dietel gestaltete im Osten Großserien für SIMSON oder Heli Radio. Dietel hat bereits vor 45 Jahren Prinzipien entwickelt, die heute zu einem Zeitgeist des Umdenkens passen. Crawdle-To-Crawdle, Upcycling, Repair-Cafes und Geschäfte wie Manufaktum sind neue Phänomene, die sich verbreiten, da immer mehr Menschen bewusst wird, dass es mit dem unbegrenzten Konsum in einer Welt der begrenzten Ressourcen so nicht weiter gehen kann. Soeben hat Dietel für sein Lebenswerk den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

Dietel bezeichnet sich selbst als Formgestalter und nicht als Designer – wo liegt da für ihn der Unterschied?

Der Begriff wird heute für alles mögliche verwendet und beschreibt somit nicht genau den Prozess, um den es Dietel geht, wenn er seine Arbeit beschreibt. Er entstammt einer “form follows function” Denkschule, weswegen sich gute Produkte für ihn immer am Menschen orientieren und nicht von aussen, im Sinne von Dekor, hinzugefügt werden. In Zeiten in denen Begriffe aber internationalisiert sind, setzte ich persönlich das Wort Design nicht mit Styling gleich.

“Dietel ist einer der bedeutendsten Produktdesigner der ehemaligen DDR.”

Wie bist Du – als Westdeutscher – auf die Idee gekommen einen Film über einen ostdeutschen Formgestalter zu drehen und was interessiert Dich an dem Thema?

Die DDR war für Dietel ja nur einer der Faktoren, die Dietels Arbeit beeinflusst haben. Darum sehe ich ihn nicht in erster Linie als Ostdeutschen, sondern als einen direkten Erben des Bauhaus und einer Jahrhunderte alten Handwerkstradition in der Gegend um Chemnitz. Außerdem ist er umfassend gebildet und lässt dieses Wissen aus verschieden Kulturen und Zeitepochen in seine Arbeit einfliessen. Dennoch ist es faszinierend zu erfahren, welches Produktdesign ein System hervorbringt, das nicht auf stetiges Wachstum aus ist.

Angestrebt ist ein 15 minütiger Portraitfilm? Warum nur so eine kurze Lauflänge? Dietels Lebensgeschichte liefert wahrscheinlich doch auch Stoff für ein längeres Format?

Die Zielgruppe, die wir erreichen wollen, sind Leute weltweit. Mit einem so spezifischen Thema ist eine internationale Auswertung über das Internet sicher ein guter Weg. Und für Youtube sind 15-20 Minuten eine gute Länge.

“Durch das Crowdfunding ergibt sich eine Situation, in der der Zuschauer auch der Auftraggeber ist.”

Der Film soll nach Fertigstellung sofort kostenlos online gehen – eher ungewöhnlich für ein Filmprojekt. Was sind Deine Beweggründe dafür?

Durch das Crowdfunding ergibt sich eine Situation, in der der Zuschauer auch der Auftraggeber ist. Sobald wir unsere bezahlte Arbeit abgeschlossen haben, gehört der Film der “Crowd” – also allen. Außerdem ist einer der Beweggründe den Film zu machen, der, dass möglichst viele Leute dazu inspiriert werden, vernünftiger einzukaufen und zu konsumieren. Darum wird der Film auf verschiedene Sprachen untertitelt und kostenlos zugänglich gemacht.

Du hast eine ganze Reihe von Giveaways für die Unterstützer vorbereitet – was kann man bekommen, wenn man Deinen Film unterstützt und in welchem finanziellen Rahmen soll das ablaufen?

Es wird verschiedene Perks (Preise) geben, die sich nach Höhe der Unterstützung richten. Jeder Unterstützer wird auf der Homepage oder in den Abspanntiteln des Film genannt. Ab einem Betrag von 15 Euro bekommt man Abzüge von Fotos aus Karl Clauss Dietels Fotoalbum. Außerdem gibt es handsignierte Bücher oder Drucke aus den 80er Jahren. Die Drucke kommen in schöne Rahmen, die wir auf dem Flohmarkt suchen und sind seltene Sammlerstücke. Für 1.500 Euro bekommt man eine privaten Chemnitz-Führung mit Karl Clauss Dietel und mir – inklusive Anfahrt mit der Bahn.

“Mit einem Film kann man Ideen von einem vernünftigeren Umgang mit Produkten sehr gut promoten.”

Spielt die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit in Deinem Leben eine Rolle und wenn ja welche?

Der Ökonom Niko Paech spricht von einem “Peak-Everything”, also der maximalen Fördergrenze wichtiger Ressourcen. Pessimistischere Wissenschaftler wie Stephen Hawking sehen die Umwelt sogar schon irreparabel zerstört und sehen als einzige Rettung unserer Spezies, die Immigration auf einen anderen Planeten. Der Schutz der Umwelt und deren Erhaltung sind mir auf jeden Fall ein Anliegen und mit einem Film kann man Ideen von einem vernünftigeren Umgang mit Produkten sehr gut promoten. Aber wir halten uns an das Credo: “Macht keine politischen Filme, seit politisch und macht dann Filme.” Das bedeutet “Stop Styling” wird in erster Linie ein Film über eine spannende Persönlichkeit. Es geht um einen Mann und seinen andauernden Kampf um persönliche Freiheit.

„StopStyling“ ist der Titel Deines Films – was genau bedeutet er bzw. was hat Styling mit Design bzw. Formgestaltung zu tun?

Für mich bedeutet Styling im Produktdesign-Bereich die Dekoration eines Produkts, die in den meisten Fällen nur das Ziel hat, das Vorgängermodell alt aussehen zu lassen, um möglichst schnell ein neues Produkt verkaufen zu können. Das Selbstverständnis vieler Produzenten ist es, immer weiter zu wachsen und Rendite zu erwirtschaften. Doch diese Mentalität führt zu den bekannten Problemen. Styling ist also schlechtes Design.

In welchem Zeitraum soll Dein Filmprojekt umgesetzt werden?

Das Crowdfunding läuft seit dem Tag der Deutschen Einheit und endet am 31. Oktober.  Im November wollen wir drehen, so dass der Film im Januar online gehen kann.

zur Crowdfunding-Kampagne bei startnext.de

Weiteres zu Karl Clauss Dietel im Netz:

Facebook Seite von STOP STYLING

Karl Clauss Dietel bei der Stiftung Industrie & Alltagskultur

Wikipedia zu Karl Clauss Dietel

Alex Fuchs
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