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Fotokunst für eine bessere Welt: Photocircle

ungewöhnlich: Fotoverkauf mit sozialem Habitus| Video: Visual BastARTS

Thomas Heinrich  ist in Berlin geboren und hat BWL an der FU Berlin und in Salamanca studiert. Nach meinem Studium hat er für die Vamos Adelante Foundation in Guatemala gearbeitet und dann für eine Unternehmensberatung in Berlin. Nach 18 Monaten hat er dort gekündigt und ist durch Südostasien gereist. Nach der Rückkehr  ermutigten ihn Freunde doch einige seiner Bilder, die er auf der Reise geschossen hatte,  im Internet zu verkaufen. Doch Thomas plagten die Zweifel, da die Menschen auf seinen Photos nichts von seinen Erlösen haben würden. Er überlegte und machte daraus eine Firmenidee. Er gründete kurzerhand Photocircle und fand somit eine Möglichkeit den Menschen, die er fotografiert hatte, etwas zurückzugeben.

Interview mit Thomas Heinrich, Gründer von Photocircle

Hallo Thomas, auf Eurer Homepage ist zu lesen, dass Dir die Idee zu Photocircle nach einer viermonatigen Südostasienreise kam. Wie war das genau?

Ich glaube jeder Fotograf möchte gerne authentische Bilder machen, die die jeweilige Situation und die Stimmung abbilden. Oft sollte man mit den Menschen interagieren, sie kennenlernen und sie auch um Erlaubnis bitten, Sie zu fotografieren. Manchmal geht dies aber auch nicht oder man riskiert den Moment zu verlieren. Dann fotografiert man unbemerkt. Solche Situationen hatte ich auch auf meiner Reise und ich hatte dabei immer ein unwohles Gefühl. In einem Fall lies mich dieses Gefühl dann nicht mehr los. Ich fotografierte einen jungen Thai Boxer während seines Kampfes in Bangkok. Auf dem Foto redet sein Trainer gerade auf den Jungen ein, dieser hat ein sehr fokussiertes aber auch trauriges und müdes Gesicht.

Freunde von mir meinten, ich solle dieses Bild online verkaufen. Somit fing ich an, mich mit den bestehenden Fotoplattformen zu beschäftigen. Keine überzeugte mich. Vor allem aber fühlte es sich falsch an, von einem möglichen Verkaufserlös zu profitieren ohne das der Junge auf dem Bild von dem Foto wüsste, geschweige denn profitierte. Ich hatte einfach das Bedürfnis ihm etwas zurückzugeben. Somit entstand die Idee von Photocircle.

Du hast ja ein abgeschlossenes BWL-Studium. Hattest Du Dich vorher schon mit der Idee des Social Entrepreneurship auseinandergesetzt?

Ehrlich gesagt nicht wirklich. Dieser Begriff hat ja auch erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, ich jedenfalls habe erst nach der Gründung von Photocircle mitbekommen, dass ich nun Sozialunternehmer bin.

Ich wollte mich zwar immer schon selbstständig machen und ich würde auch sagen, das ich ein sozialer Mensch bin. Nach meinem Studium habe ich z.B. mehrere Monate bei der Vamos Adelante Foundation in Guatemela, einer kleinen NGO, gearbeitet. Ich habe jedoch vorher nicht aktiv nach einer Möglichkeit gesucht Unternehmertum mit sozialem Engagement zu verbinden. Dass es nun so gekommen ist, ist für mich ein absoluter Glücksfall. Durch meine Arbeit bin ich nun natürlich auch sehr im Bereich Social Entrepreneurship integriert. Es ist unglaublich wie viele tolle Projekte es mittlerweile gibt. Meiner Meinung nach gibt es zu jedem ‚herkömmlichen’ Produkt mittlerweile eine nachhaltigere, sozialere oder ökologischere Alternative.

Ihr habt dann am Social Impact Lab teilgenommen? Wie genau ist das gelaufen bzw. in welcher Form seid ihr dort unterstützt worden?

Wir haben noch lange vor unserem offiziellen Start an einem Pitch teilgenommen und diesen gewonnen. Das Social Impact Lab hat uns dann für 8 Monate einen kostenlosen Büroplatz zur Verfügung gestellt und uns mit seinem Netzwerk unterstützt. Für uns war das eine enorme Hilfe und wichtig, da wir aus unserer Küche heraus in ein professionelles Arbeitsumfeld kamen.

Wie ist es nach dem Social Impact Lab weitergegangen?

Nach dem Social Impact Lab haben wir ein weiteres Stipendium, das Beuth Stipendium, gewonnen, welches vom Europäischen Sozialfonds und dem Berliner Senat finanziert wird. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits online und erzielten erste Umsätze. Das Stipendium half uns weiterhin unabhängig von externen Geldgebern zu sein.

Wie ist das eigentlich rein rechtlich: In Deutschland gibt es ja ein verbrieftes Persönlichkeitsrecht, wenn mich jemand fotografiert, habe ich das Recht zu entscheiden, ob und wie das Bild ausgewertet werden darf. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei Euren Bildern nicht immer möglich ist, einen Nachweis zu fordern oder wie wird das gehandhabt?

Unsere Fotografen versichern uns mit der Unterzeichnung unserer AGB, dass sie die Bildrechte besitzen.

Wenn ich Euer Geschäftsmodel richtig verstehe, spendet der/die Fotograf/in mindestens 30% seines Gewinns und Photocircle 6% auf den Grundpreis des Bildes – ist es denn möglich bei so hohen Spendenanteilen trotzdem einen wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen?

Sicherlich ist unsere Marge durch den Spendenanteil geringer als bei herkömmlichen Fotoplattformen. Denn wir haben neben unserer Projektunterstützung auch ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Uns ist es wichtig, dass unsere Kunden nicht mehr zahlen als woanders. Unsere Spende wird nicht auf den Preis aufgeschlagen sondern sowohl unsere Fotografen, als auch wir verzichten auf einen Teil des Erlöses. Wir müssen somit versuchen mit geringen Mitteln die Reichweite zu erzielen, die unsere Mitbewerber mit Geld erkaufen. Das ist eine sehr große Herausforderung. Gewinnmaximierung ist und war noch nie unser Ziel. Wir wollen jedoch an einen Punkt kommen, an dem wir einem mittelgroßen Team ein angemessenes Gehalt zahlen können und wir glauben, dass wir das schaffen können.

Wie und wann kommt das Geld zu den unterstützten Projektträgern?

Unser gemeinnützige Verein, der Photocircle e.V. überweist die komplette Projektsumme an den jeweiligen Projektträger sobald ein Projekt bei uns zu 100% finanziert ist. Die Transaktionskosten zahlen wir. Somit gelangen 100% des angezeigten Spendenbetrages zu unseren Partnerorganisationen.

Welche Projekte habt Ihr so schon zu finanziert?

Wir konnten bislang 30 Projekte finanzieren, einige weitere stehen kurz davor. Beispielsweise konnten wir 15 Mädchen in Bangladesch die Grundschulbildung finanzieren. In Myanmar haben wir Familien Wasserfilter und Jungschweine zum Aufbau einer kleinen Schweinezucht gekauft. In Berlin unterstützen wir die Schülerpaten und die Kulturloge. Auf den Philippinen haben wir nach dem Taifun im letzten Jahr mit zwei Projekten Nothilfe geleistet und beim Wiederaufbau geholfen. In Burkina Faso haben wir Kindergartenplätze finanziert. Über die UNO-Flüchtlingshilfe haben wir Flüchtlinge im Südsudan geholfen.

Nach welchen Kriterien sucht Ihr neue Projekte aus? Gibt es irgendeine Kontrolle dafür, dass das Geld auch wirklich am richtigen Ort eingesetzt wird?

Anfangs haben wir die Projekte alle selbst ausgesucht. Wir haben zum Beispiel darauf geschaut, wie hoch die Spendenquote ist und wie transparent die Mittelverwendung ausgewiesen wird. Uns war vor allem auch sehr wichtig, dass wir mit unseren Partnern klare Projektziele definieren konnten. Wir wollten Photocircle so transparent wie möglich gestalten. Unsere Kunden sollten nicht nur eine Organisation unterstützen, sondern genau wissen, wenn ich jetzt ein Bild bestelle, finanziere ich gleichzeitig eine Ziege für eine Familie im Niger, einen Kindergartenplatz in Burkina Faso oder die Grundschulbildung eines Mädchens in Bangladesch.

Mittlerweile ist es so, dass viele unserer Fotografen Projekte mitbringen. Unser Fotograf Frank Domahs z.B. hat für die NGO LESPWA in Haiti gearbeitet und wollte, dass der Erlös aus seinen Fotos auch nur dieser Organisation zu Gute kommt. Ähnlich war es mit unseren Fotografen Jakob Berr, der für unseren Partner Netz e.V. in Bangladesch tätig war, und Walter Korn, der sich für das Netzwerk Wunschträume in Burkina Faso engagiert. Wir treten dann mit den Organisationen in Kontakt und schauen, ob eine Zusammenarbeit möglich ist.

Wie ist die Resonanz bei den Projektträgern? Werdet Ihr immer mit offenen Armen empfangen?

In der Regel war die Resonanz bei allen Projektträgern, auch unseren größeren Partnern wie Care oder Plan, sehr positiv. Einige wenige der großen Projektträger wollten von uns vertraglich zugesicherte Mindestspendensummen. Das kam für uns natürlich nicht in Frage. Sicherlich sind unsere Spendensummen gerade für die großen NGOs noch nicht so groß, dennoch sind wir ein kostenloser Fundraising Kanal und schaffen Aufmerksamkeit für die Organisationen.

Kann der Fotograf selbst bestimmen, welches Projekt er unterstützten möchte?

Bedingt. Er kann Projektvorschläge einbringen. Das Projekt wählt am Ende aber der Kunde aus. Haben wir ein Projekt in dem Land, in dem das Foto gemacht wurde, kann er auch nur dieses Projekt unterstützen. Ansonsten werden ihm die drei geografisch nächstgelegenen Projekte angezeigt.

Photocircle ist jetzt seit 2012 online – also lange genug um eine erste Bilanz zu ziehen. Wie hat sich Eure Plattform in den letzten anderthalb Jahren entwickelt – ist es eine erfolgversprechende Unternehmung?

Mit Photocircle geht es kontinuierlich bergauf. Wir haben jeden Tag mehr zufriedene Kunden und Fotografen und sind mit unsere Entwicklung sehr glücklich. Da wir den Aufbau von Photocircle komplett aus eigenen Mitteln, Preisen, Fördermitteln und unserem Cashflow finanziert haben, dauert manches natürlich etwas länger. Unser Marketingbudget erlaubt uns viele Dinge einfach nicht. Dafür sind wir aber komplett unabhängig und wir denken, dass wir bis Anfang nächsten Jahres auch Break-Even sein werden.

Ihr versendet die Bilder möglichst klimaneutral. Spielt Nachhaltigkeit in Deinem privaten Leben auch eine Rolle?

Zugegebenermaßen beschäftige ich mich erst seit wenigen Jahren mit dem Thema. Seit dem Start von Photocircle und seitdem ich vor zwei Jahren Vater geworden bin, ist Nachhaltigkeit für mich nun aber ein immer wichtigeres Thema. Durch meinen Beruf lerne ich viele andere interessante Sozialunternehmer kennen und lese mehr über das Thema. Durch das Vater sein habe ich natürlich einen starken Wunsch meinen Kindern eine Welt zu hinterlassen, in der sie ein gutes Leben führen können.

Gibt es eventuell noch irgendwelche Hürden, die Ihr für einen durchschlagenden Erfolg nehmen müsst? Und wenn ja, wie gedenkt Ihr diese zu meistern?

Unsere größte Herausforderung ist es, mit einem geringen Marketing Budget eine große Reichweite zu erzielen. Das ist und bleibt schwierig. Wir hoffen, dass wir bis Ende des Jahres die kritische Masse an Kunden und Fotografen erreichen können, um etwas sorgenfreier über die Runden zu kommen.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft? Was brauchst Du zum Glücklichsein?

Beruflich wünsche ich mir, dass wir uns mit Photocircle nachhaltig am Markt für Fotokunst etablieren können. Wir sind auf einem guten Weg, haben aber noch viel Arbeit vor uns. Zum Glücklichsein brauche ich ansonsten meine Familie, Freunde und Gesundheit.

Ihr startet demnächst eine  Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo. Was ist Euer Ziel?

Wir haben seit Kurzem eine US-Webseite und ein Partnerlabor in Florida. Bis dato haben wir sehr gute Resonanz aus den USA bekommen, nur leider waren unsere Versandkosten bislang zu hoch – außerdem waren cm-Angaben und Euro für unsere Kunden in den USA nicht wirklich attraktiv. Das ist jetzt anders. Mit der Indiegogo-Kampange möchte wir unsere Reichweite in Amerika erhöhen und etwas Geld sammeln, um uns den Anfang dort zu ermöglichen. Denn wir brauchen unbedingt auch jemanden vor Ort – alles von hier aus zu starten und zu steuern ist sehr schwierig.

Thomas, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Euch für die Zukunft alles Gute und drücke Euch weiterhin die Daumen.

Alex Fuchs
ADMINISTRATOR
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