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Eine Strategie für die Zukunft

Nachhaltige Unternehmensberatung| Video: Visual BastARTS

futurestrategy wird von Stephan Bohle geleitet. Er ist Nachhaltigkeits- und Kommunikationsexperte mit über 20 Jahren Berufserfahrung. Der Fokus seiner Beratertätigkeit liegt in der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien und in der Konzeption von Nachhaltigkeitskommunikation, um eine nachhaltige Entwicklung in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft zu unterstützen und zu fördern. Stephan Bohle nimmt Lehraufträge für Nachhaltigkeitskommunikation und Nachhaltigkeitsmanagement an Hochschulen in Berlin und Eberswalde war. Er ist Mitglied der Gesellschaft für Nachhaltigkeit und Mitglied im Netzwerk Nachhaltige Ökonomie. 2010 wurde er in den Beirat der Deutschen Umweltstiftung berufen. Das Workshop-, Vortrags- und Lehrangebot von Stephan Bohle wurde 2012 von der Deutschen Unesco Kommission als Projekt der UN-Dekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung” ausgezeichnet.

Interview mit Stephan Bohle von futurestrategy.de

Lieber Stephan Du machst Beratung für Nachhaltigkeitsstrategien und -kommunikation? Was genau habe ich darunter zu verstehen?

Ich unterstütze Unternehmen und Organisationen, Ihre Geschäftsmodelle auf Nachhaltigkeit auf- oder umzustellen. Dafür setze ich eigene („die Blossom Formula“) oder bereits erfolgreich praktizierte Tools wie SAFE (Sustainability Assessment for Enterprises) oder EMAS Easy ein. Speziell für Agenturen und Designbüros arbeite ich mit einer eigens modifizierten Version von SAFE. Weiter unterstütze ich Unternehmen bei der Entwicklung von Klimaschutzstrategien (das mache ich für den NGO atmosfair) und initiiere und beteilige mich an Initiativen wie die „Kommunikationsinitiative Energiewende“ oder „Zero Waste Heroes“.

“Ich unterstütze Unternehmen und Organisationen, Ihre Geschäftsmodelle auf Nachhaltigkeit auf- oder umzustellen.”

Wo genau kommt da die Nachhaltigkeit ins Spiel bzw. wie wird diese gemessen?

Übergeordneter Ausgangspunkt ist der Zielpfad für Treibhausgasemissionen bis 2050, die müssen um 90% gesenkt werden, damit wir das 2 Grad-Ziel für dieses Jahrhundert noch halten können. Auch der Ressourcenverbrauch muß um bis zu 90% bis 2050 gesenkt werden. Eine enorme Herausforderung. Mit dem SAFE Tool analysiert man mit einem ganzheitlichen Ansatz verschiedene Bereiche (Ökonomie, Ökologie, Soziales und Kommunikation) mit unterschiedlichen Indikatoren. Nach der Analyse stellt man einen Massnahmenplan mit Zieldefinitionen auf, der umgesetzt werden soll. Ein regelmäßiges Audit kontrolliert Stand und Entwicklung der Prozesse.

Wie verhindert man, dass aus dem ehernen Anspruch einer ehrlichen Nachhaltigkeitskampagne nicht doch Green Washing wird?

Eine öffentliche (oder auch interne) Nachhaltigkeitskampagne kann erst ernsthaft umgesetzt werden, wenn das Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie aufgestellt hat und diese auch verfolgt. Hier gilt unbedingt: Erst handeln und dann reden.

Müssen die Unternehmen ehrlicher werden oder sehen viele Unternehmen die Widersprüchlichkeiten in Ihren Kampagnen einfach nicht selbst?

Da bin ich mir nicht sicher. Bestes Beispiel einer falsch lancierten Nachhaltigkeitskampagne war z.B. die millionenschwere Kampagne des RWE Konzerns. Eine Hamburger Agentur zeigt uns einen Energieriesen, der das Land mit grüner Energie versorgt. Zur Zeit der Ausstrahlung betrug der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtportfolio des Konzerns gerade einmal 5%. Kaum ein Spot hat soviel Protest und Häme verursacht und dem Image von RWE so schwer geschadet. Also Glaubwürdigkeit spielt eine sehr wichtige Rolle. Das hat auch dazu geführt, dass viele Unternehmen vorsichtig geworden sind, Nachhaltigkeitsthemen zu kommunizieren.

“Die meisten Geschäftsmodelle allerdings sind eindeutig nicht nachhaltig […]”

Was genau bedeutet nachhaltiges Wirtschaften in diesem Zusammenhang?

Wie schon zu Anfang gesagt, nachhaltiges Wirtschaften ist eine sehr komplexe Herausforderung und kann nur langfristig angelegt sein, um glaubwürdig zu sein. Die meisten Geschäftsmodelle allerdings sind eindeutig nicht nachhaltig (Automobile, Flugreisen, überbordende oder wie Harald Welzer es formuliert – zerstörende – Konsumangebote, Textilwaren, Lebensmittelherstellung der Industrie, etc.) und können es in der bestehenden Form auch nicht sein.

Würdest Du Dich selbst als Weltverbesserer bezeichnen? Was treibt Dich an?

Das hat keine Wichtigkeit für mich, es hat auch eher eine negative Bedeutung, weil natürlich eine Person allein die Welt nicht verbessern kann. Mich treibt die Zukunft meines Sohnes an, ich möchte alles mir mögliche unternehmen, dass er noch in einer lebenswerten Welt leben kann, wenn ich mal nicht mehr da bin. Und ich möchte ihm auf jeden Fall antworten können, wenn er mich fragt, was ich getan habe, um das (Klima-)Desaster aufzuhalten.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Deinem privaten Leben?

Für mich ich es schwer zwischen Beruf und Privatem zu unterscheiden. Ich habe meine Passion, meine Berufung zum Beruf gemacht. Im Privaten versuche ich jeden Tag aufs Neue das umzusetzen, was ich auch meiner Mitwelt predige, sonst ist man ja selbst nicht glaubwürdig.

Wie bist Du dazu gekommen Beratung für Nachhaltigkeit als Dein Betätigungsfeld zu sehen?

Wie gesagt, ein entscheidener Impuls war mit Sicherheit die Geburt meines Sohnes und ehrlich gesagt, ohne kitschig werden zu wollen, hat auch der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ mich wachgerüttelt.

“Geld ist ein sehr wichtiges Mittel zum Zweck. Nicht mehr und nicht weniger.”

Wie wichtig ist Dir Geld?

Geld ist ein sehr wichtiges Mittel zum Zweck (Wohnen, Essen, Projekte, ect.). Nicht mehr und nicht weniger.

Was brauchst Du zum Glücklichsein?

Es sind eher die kleinen Momente, die mir ein Glücksgefühl bescheren, das Zusammensein mit der Familie, ein leckeres Esse kochen, ein Strandspaziergang, eine Bergwanderung, positives Feedback von meinen Kunden, Geschäftspartnern oder Studenten.

Du hast auch ein Lehrkonzept zur nachhaltigen Bildung entwickelt, das von der Deutschen UNESCO-Kommission als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet wurde. Wie ist Dein Lehrkonzept aufgebaut und vor allem wo wird es eingesetzt?

Ich habe das Konzept speziell für Studenten des Kommunikationsdesigns entwickelt. Sie sollen Grundlagen der Nachhaltigkeit ersteinmal verstehen lernen. Es gibt ja soviel Unwissenheit und Unklarheit dazu. Und hier herrscht noch großer Nachholbedarf. Ich habe jüngst in einer Studie Gestaltungsschulen in Deutschland untersucht: Keine 10% der über 160 untersuchten Schulen haben Studienangebote mit Nachhaltigkeitsbezug. Ich habe Lehraufträge an einer privaten Designschule, dem IN.D Berlin und an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), bei denen ich mein Konzept ganz gut umsetzen kann.

“Ich arbeite gerne mit jungen Menschen zusammen. Wir haben die Verantwortung, diese auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorzubereiten.”

Wie bist Du dazu gekommen ein Lehrkonzept zur nachhaltigen Bildung zu entwickeln?

Ich arbeite gerne mit jungen Menschen zusammen. Wir haben die Verantwortung, diese auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorzubereiten. Die meisten lernen die Methoden und Lösungen aus dem vergangenem Jahrhundert. Damit läßt sich aber in diesem Jahrhundert nicht mehr viel anfangen (Stichwort: Grenzen des Wachstums).

Du bloggst auch und hast Anfang November im Rahmen eines Bloggertreffens die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Barbara Hendricks getroffen. Jeder durfte eine Frage stellen. Welche Frage hast Du ihr gestellt und was war ihre Antwort darauf?

Ich habe die Frage eines meiner Leser, einem befreundeten Professor aus Schweden, vorgetragen. Im Namen der deutschen Energiewende werden ganze Wälder dort oben für Windparks gerodet, unter denen die Ureinwohner (die Sami) und die Tierwelt sehr zu leiden haben. Frau Hendricks hat geantwortet, dass sie nicht glaubt, dass irgendeiner darunter zu leiden hat. Ob sie wirklich von dem Sachverhalt weiß, kann ich allerdings nicht sagen.

Ich weiss, dass das ein kompliziertes Thema ist, aber glaubst Du persönlich an die Einhaltung des 2-Grad-Klimaziels oder ist das nur eine gut geführte Green Washing Kampagne der Regierungen?

Ich glaube schon, dass einige Regierungen eingesehen haben (darunter auch die Bundesregierung), dass wir die 2-Grad-Grenze nicht überschreiten sollten und auch Maßnahmen dazu eingeleitet haben. Da wir es aber hier mit einem globalen Problem zu tun haben, weiß ich nicht, ob wir es schaffen, dass Alle (Industrieländer, Schwellenländer und Entwicklungsländer) ihren Teil dazu beitragen werden, dass Ziel zu erreichen. Im Moment sieht es eher nicht danach aus. Und manch ein Wissenschaftler spricht schon von der 4-Grad-Erwärmung, die wir ansteuern. Schrecklich, aber wir sollten dennoch die Hoffnung nicht aufgeben, solange man noch etwas dagegen tun kann. Wir sind es unseren Kindern und deren Kindern und der Umwelt schuldig.

Lieber Stephan, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und frohes Schaffen.

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Alex Fuchs
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