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Der Nachhaltige Warenkorb

Sowohl Webplattform als auch App scheinen irgendwie unfertig und nicht zeitgemäß. | Screenshots, Fotos: Alex Fuchs

Eine neue Ratgeber-Webplattform

Der “Nachhaltige Warenkorb” ist eine Internetplattform, eingerichtet vom Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE), die Verbrauchertipps rund um das Thema nachhaltigen Konsums liefert.

Die Vorsitzende des RNE Marlehn Thieme beschreibt das Vorhaben wie folgt: “Der nachhaltige Warenkorb setzt im Alltag an und hilft bei Kaufentscheidungen. Er informiert über Themen wie Lebensmittel, Textilien, Reinigung, Kosmetik, Spielzeug, elektronische Geräte, Mobilität, Reisen, Wohnen und Geldanlagen sowie wichtige Siegel für nachhaltige Produkte. Das „eine“ Nachhaltigkeitssiegel gibt es leider nicht, das gleichermaßen ökologische und soziale Kriterien wirksam für alle Produktgruppen sicherstellt. Deshalb zeigen wir Ihnen individuelle Zugänge zum nachhaltigen Konsum. Der nachhaltige Warenkorb leistet Navigationshilfe mit klarer Orientierung und einfache Entscheidungshilfen.”

Der (digital) gedruckte Ratgeber ist wirklich als erster Einstieg ins Thema sehr gut.

Ein wirklich guter Ansatz

Ein wirklich guter Ansatz. Ich habe zum ersten Mal vom nachhaltigen Warenkorb diese Woche auf der 15. Jahreskonferenz des RNE in Berlin gehört, war jedoch schon stutzig, als mir der Mensch hinter dem dazugehörigen Stand auf mein Nachfragen außer einer lapidaren Erklärung, dass es sich beim nachhaltigen Warenkorb um eine Ratgeber-Webplattform zum Thema nachhaltigem Konsum handelt und dass ich ja mal auf den zwei ausgelegten Tablets probieren oder mir eine Broschüre mitehmen könne, was ich dann auch getan habe, keinen wirklich nachhaltigen Informationswert diese Gesprächs hatte.

Jetzt, ein paar Tage nach der Konferenz, dachte ich mir, dass ein Blick vielleicht nicht schaden könnte, denn interessant hört sich das Ganze schon an. Und ich beteure, dass ich diesen Artikel mit den Besten und positivsten Vorsätzen zu schreiben begonnen habe, aber wer es wagt, die Homepage des nachhaltigen Warenkorbs einmal zu erkunden, wird sich einige Fragen stellen, die sich die Macher vielleicht hätten stellen sollen. Und irgendwie füllt man sich an Angela Merkels berühmt gewordenes Zitat aus dem Jahre 2013 erinnert: “Das Internet ist für uns alle Neuland, […]”. Naja, der RNE ist ja von genau dieser Regierung einberufen worden…

Das Internet ist für uns alle Neuland

Die Umsetzung kommt oberflächlich leicht, will sagen lieblos, und übersichtlich daher, wenn auch sofort die schnörkellose grafische Machart auffällt, in der oberen Bildhälfte gibt es je ein großes Foto mit ein bisschen Text, darunter ein paar kleiner Fotos mit Oberbegriffen, die man alle Anklicken kann. Dahinter dann wieder ein großes Foto mit ein bisschen Infotext und gegebenfalls wieder kleine Fotos und Unterbegriffe etc. pp. Auf jeder Seite gibt es mehr oder weniger informative Fakten zu Themen wie “Richtig konsumieren”, “Essen und Trinken”, “Strom und Energie”, “Elektronik und Digitales” und den dazugehörigen Unterthemen. Und die zusammengetragenen Fakten sind zwar knapp, doch wirklich ein guter erster Einblick ins Thema Nachhaltigkeit, ABER – das GROSSE ABER ist leider, dass die Informationen weder interaktiv noch sonstwie die heutigen Möglichkeiten des Internets ausnutzend, geschweige denn den Sehgewohnheiten eines durchschnittlichen Users angepasst erscheint und diesen wahrscheinlich deshalb gar nicht erreicht. Selbst auf einfachste grafische Auflockerungen mit erklärenden Grafiken o.ä. wurde größtenteils verzichtet. Somit bleibt am Ende außer ein paar stylischen Bildchen eine große Textwüste. Doch dessen nicht genug, funktioniert bei mir auch beim mehrmaligen Test auf unterschiedlichen Endgeräten und Browsern das Zusammenstellen “Meines Warenkorbs” nicht – der bleibt immer leer. Und zum Teil sind auch die weiterführenden Links auf der Seite nicht richtig verlinkt und führen zu einer lieblos bzw. überhaupt nicht gestalteten “Bedaure, kein Beitrag passt zu deiner Suche.”-Seite. Frustriert breche ich spätestens an dieser Stelle meinen Test ab.

Sreenshot: Peinlich – die nicht gestaltete Seite, wenn etwas mal nicht gefunden wird.

Peinlich – die nicht gestaltete Seite, wenn etwas mal nicht gefunden wird.

Naja, noch nicht ganz, denn ich habe gesehen, dass es den “Nachhaltigen Warenkorb” sowohl für die Plattformen iOS, Android und Windows gibt. Ich teste die App also in der Android-Version und erwarte nichts Gutes, nachdem ich die Bewertungskommentare wie “2 Sterne für die Idee, 0 für die App. Leider geht gar nichts” gelesen habe. Und tatsächlich: nach der Installation geht eigentlich gar nichts. Die Menüs sehen so aus, als ob sie noch nicht fertig sind und auch die Funktionalität ist nicht vorhanden.

Eine wirklich gute Idee, aber die Umsetzung zeigt deutliche Schwächen.

App völlig funktionsunfähig

Fazit: Eine wirklich gute Idee, aber die Umsetzung zeigt deutliche Schwächen. Was absolut unverständlich bleibt ist, dass das Wenige, was da ist, noch nicht richtig funktioniert. Hoffentlich wird hier dringend nachgebessert. Zu guter Letzt drängt sich mir die Frage auf – immerhin geht es um Nachhaltigkeit – inwiefern es sich eventuell – zumindest bei der Umsetzung der digitalen Präsentation des Ratgebers – um eine sinnlose Verschwendung von Ressourcen (Kosten und Arbeitszeit der Projektbeteiligten) und Verschwendung von Zeit (für den Nutzer) handelt. Die Konzeption erscheint jedenfalls auf den ersten Blick nicht besonders zielführend.

Falsche PR-Strategie

Doch am Ende finde ich doch noch etwas Nützliches: In der Downloadsektion sind alle Fakten des “Nachhaltigen Warenkorbs” auch noch als PDF zu haben, dass hätte mir eigentlich gereicht. Vielleicht liegt der Fehler dieses Projekts ja nur in einer falschen PR-Strategie: Der (digital) gedruckte Ratgeber ist wirklich als erster Einstieg  ins Thema sehr gut. Vielleicht hätte es etwas gebracht, diesen in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Webplattform bzw. App. Denn wie ich dem Vorwort zur Printausgabe entnehme, gibt es den Ratgeber jetzt schon in der fünften, komplett überarbeiteten Ausgabe seit 2003 – also doch Mittelpunkt – die richtige Kommunikation ist halt alles…

Wer jetzt denkt, dass ich hier maßlos übertreibe, der sei herzlich eingeladen seine persönliche Reise ins Land der Nachhaltigkeit bzw. des “Nachhaltigen Warenkorbs” zu starten: Offizielle Homepage des nachhaltigen Warenkorbs oder die App zu testen – viel Spass!

Alex Fuchs
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